„Sent to Finland im Interview“ –
Wie eine Wundertüte!

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Wie eine Wundertüte!

Es ist früher Vormittag in Kiel. Die Luft ist kühl, aber die Jungs von Sent to Finland empfangen mich mit einem warmen Lächeln zu unserem Interview. Noch einen Schluck Kaffee und dann beginnen wir.

DER KONFETTIREGEN
Sänger und Gitarrist Norman (24), Gitarrist Luca (24), der Mann am Bass namens Luca (23) und Schlagzeuger Martin (23) bilden den bunten Konfettiregen in der Wundertüte „Sent to Finland“. Jeder von ihnen hat seine Geschichte, die am Ende alle zusammenführt.

Fast zeitgleich begannen Norman und Luca im Alter von 14 ihre ersten Töne auf ihren Gitarren zu spielen. „Wir wohnten damals in der gleichen Straße und haben uns immer zum Gitarre spielen verabredet“, erinnert sich Luca. In ihrer früheren Band übernahmen sie die Backingvocals. „Für mich war das Singen immer Nebensache“, meint Luca. Für Norman verlief es anders: „Als ich Martin kennenlernte und er mich hat singen hören, fragte er, warum ich in meiner Band nur der Gitarrist wäre. Ich solle mehr singen. Man könnte fast sagen, er hat mich zum Singen genötigt. Aber mir machte Singen schon immer Spaß.“

Der andere Luca begann schon früh mit dem Trompete spielen und dank seines Vaters machte er erste Erfahrungen an der Gitarre. Bass lernte er erst mit Eintritt in seine erste Band. Er lächelt und erzählt: „Wir hatten keinen Bassisten und dann habe ich mir gedacht `Bass wird schon nicht so viel schwieriger sein als Gitarre´. Falsch gedacht. Jeder Gitarrist, der sagt, er könne auch Bass spielen, lügt.“ Letztendlich hat sich der Bass mit seinem tiefen Brummen durchgesetzt und lässt Luca nicht mehr los.

„Meine Eltern haben mich schon ziemlich früh zur musikalischen Früherziehung geschickt und mich in die Ecke `Keyboarder´ gesteckt“, erinnert sich Martin lachend. „Je älter ich wurde, desto mehr hat die Musik gefruchtet und dann kamen Gitarre und Schlagzeug dazu. Irgendwann bin ich dann beim Schlagzeug hängen geblieben“, erzählt er weiter.

VON HIER NACH FINNLAND
Wie das Schicksal so wollte – oder besser gesagt Martin – trafen sich die Vier. Martin hebt die Hand und sagt: „Ich bin Schuld.“ Alle lachen und er schildert, wie damals alles anfing: „Ich hatte Lust, eine Band zu gründen. Luca und ich kennen uns schon unser halbes Leben und ich wollte ihn unbedingt dabei haben. Dann lernte ich Norman kennen und wir machten zu zweit Musik. Wir holten die Idee, eine Band zu gründen, heraus und ich meinte, ich hole meinen besten Freund Luca dazu – der spielt Bass“ und Norman fährt fort: „Und ich sagte, ich hole auch meinen besten Freund dazu. Der heißt auch Luca, spielt aber Gitarre.“ Martin fädelte geschickt ein Treffen ein, es wurde zusammen gejammt und schon nach fünf Minuten war ihnen klar: „Das passt.“ So setzte sich der bunte Konfettiregen im April 2017 zusammen.

Und was hat Finnland mit ihrem Bandnamen zu tun? Martin streicht sich über die Stirn und packt aus: „Anfangs machten Norman und ich zusammen Straßenmusik. Uns fiel auf, dass wir einen Verstärker brauchen und fuhren zum Proberaum von Normans alter Band. Wir fuhren von der Autobahn runter und nach 45 Minuten fragte ich ihn `Sag mal, ist es noch weit? Schickst du mich nach Finnland oder was´, weil es nichts zu sehen gab außer Felder und Wiesen.“ Als sie dann einen Bandnamen brauchten, griffen sie diese Idee wieder auf und sind mit dem Namen zufrieden, denn er hat, wie sie finden, einen Wiedererkennungswert.

Ihr Musikstil ist zwar leicht erklärt, aber in eine Schublade lassen sie sich damit nicht stecken. Statt kreischende E-Gitarren hört man im Genre Pop/Rock ausgefallene Akkustikgitarrenelemente. Melodische Gitarrenparts vereinen sich mit rockigen Rhythmen und untermalen den vierstimmigen Gesang von Norman, Luca, Luca und Martin. „Keiner kann von 0 auf 100 seinen eigenen Sound erfinden“, denkt Luca (Bassist) nach. Und so hört man hin und wieder Einflüsse wie Paramore oder Ben Howard heraus.

EFFEKT EINER WUNDERTÜTE
Ihr erster Auftritt liegt nicht lange in der Vergangenheit zurück: ein Hochzeitsgig. „Wir hatten davor viel Stress, weil wir unser Repertoire vergrößern und die Songs fehlerfrei spielen mussten“, erzählen sie. Die Jungs kannten sich noch nicht sehr lang und wurden somit ins kalte Wasser geschmissen. „Weil wir aber so viel Lust auf diesen Auftritt hatten, nahmen wir, wie auch heute noch, den Stress gerne auf uns, denn wenn wir auf der Bühne stehen und spielen können, ist das alles vergessen“, erklärt Luca (Gitarrist). „Wir sagten uns, wenn es läuft, dann machen wir weiter und wenn wir merken, es funktioniert nicht, dann lassen wir es. Wir waren gespannt, wie es sein wird. Wie eine Wundertüte“, ergänzt der andere Luca. Und es ist eine schöne Wundertüte geworden!

Bevor es aber auf die Bühne geht und die Wundertüte geöffnet wird, finden sich die Jungs zu einem Bandkreis zusammen, singen „My Hero“ von den Foo Fighters und machen Blödsinn. Nervosität ist da, aber unprofessionelles Verhalten nicht. Luca (Gitarrist) meint: „Wir haben den Ansporn alles richtig zu machen“ und Norman lacht: „Auf die ersten richtigen peinlichen Szenen muss man noch warten.“ Statt sich mit unangenehmen Momenten zu befassen, genießen sie lieber die Zustimmung der Fans. Erste Zuhörer singen eigene Songs von „Sent to Finland“ mit. „Wenn jemand sagt `Das gefällt mir´, dann ist das Balsam für die Seele; das ist einfach schön“, meldet sich Norman zu Wort.

Aber auch sie selbst sind Fans und berichten mir freudestrahlend von ihren ganz besonderen Momenten. So stand Martin mehrere Stunden vorher schon an der Bühne, nur um Dave Grohl von den Foo Fighters ganz nah zu sein, Luca (Gitarrist) bekam zufällig die Möglichkeit einen Blick in den Backstage-Bereich zu werfen, wo er u.a. Jennifer Rostock, Casper und Bosse gesehen hat. „Ich habe zwar nicht mit ihnen geredet, aber es war einfach verrückt, all die Künstler auf einem Haufen zu sehen“, erzählt er euphorisch in die Runde. Der andere Luca hingegen erlebte einen „magischen Moment“ mit Bosse: „Das war auf dem Highfield-Festival. Die Sonne ging unter, das Publikum saß vor der Bühne am Boden und hörte Bosse zu, wie er seine Songs wie Geschichten erzählte.“

ÜBER FINNLAND HINAUS
Zurzeit stehen die Jungs im Tonstudio und nehmen ihre erste EP auf. Die Studioarbeit ist für alle eine tolle Erfahrung, denn es werden Kleinigkeiten gehört und entdeckt, die im Proberaum nicht auffallen und jeder darf frei seine Meinung äußern ohne, dass es Streit gibt. Das liegt sicher daran, dass Norman, Luca, Luca und Martin „alle bescheuert sind“. Martin hält die Truppe zusammen und festigt den Gedanken, dass sie als Band etwas erreichen. Luca (Gitarrist) hat laut seiner Bandkollegen den besten Humor und sorgt für gute Stimmung, wenn mal etwas dickere Luft herrscht. Das kommt aber nicht sehr oft vor, denn Norman scheint der geduldigste Mensch der Welt zu sein – laut Martin wird er nie sauer, sondern versucht Stress zu vermeiden. Und weil Luca (Bassist) am logischten und rationalsten denken kann, kümmert er sich um das Booking und verdient sich somit den Titel „Band-Papa“. Was alle nicht nur auf der Bühne und im Studio sondern auch außerhalb verbindet, ist ihr Engagement und ihre Kreativität. Gemeinsam kriegen sie alles hin .. vielleicht auch im Juni die fertige EP.

Des Weiteren wünschen sie sich, irgendwann ein komplettes Album aufzunehmen und auf Festivals zu spielen; geträumt wird von einer Deutschlandtour. „Aber das sind so die kleinen Schritte. Wir lassen alles auf uns zukommen“, sagt Luca (Gitarrist). Das nächste Ziel ist erstmal ihr Auftritt auf der Jungen Bühne Kiel zur Kieler Woche 2018. Luca (Bassist) sagt stolz: „Es ist cool, dass wir dabei sein dürfen. Das hat schließlich nicht nur der Veranstalter alleine entschieden, sondern viele haben für uns abgestimmt. Und dass so viele uns dort sehen und hören wollen, ist echt schön.“ Wir kommen langsam zum Ende und es bleibt nur noch zu sagen: „Unterstützt die Bands und genießt es. Eine CD kann man sich immer wieder anhören, aber den einen Live-Moment kann man nicht wiederholen!“
Tipp: Einfach mal das Handy stecken lassen.

Ich bin mir sicher, dass noch viele weitere Wundertüten (Auftritte) geöffnet werden und der bunte Konfettiregen (Norman, Luca, Luca, Martin) seinen Weg finden wird. Mit dem Wind der Musik getrieben bis über Finnland hinaus.

Das Interview wurde am 27.03.2018 in Kiel geführt.

© Kreativpur – Verena Christ

 


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