Mit dem Duft nach Bratapfel
Im Interview mit Roast Apple

Mit dem Duft nach Bratapfel

Ich bin leicht durchgefroren, als ich am 19.04.2017 den Hamburger Proberaum von Roast Apple erreiche. Nach einem herzlichen Empfang machen wir es uns gemütlich und beginnen mit einem Lachen .. ohne Liam, der leider beruflich zu tun hat.

Bratäpfel am Stil
In Verbindung mit ihrem Bandnamen kann man Sänger und Bassist Finn-Bo (21), die beiden Gitarristen Rouven (21) und Lukas (20) und den Schlagzeuger Liam (22) gut als „Bratäpfel am Stil“ bezeichnen. Alle lernten ihr Instrument lange vor der Bandgründung und nun kreieren sie gemeinsam ihren unverkennbaren Musikstil.

Finn-Bo beginnt zu erzählen: „Ich habe mit Gitarre angefangen und fragte dann meinen Gitarrenlehrer, ob er mir auch etwas auf dem Bass zeigen könnte. Das fand ich dann so geil, dass ich dabei geblieben bin. Der Gesang kam dann mit der Zeit hinzu.“

„Bei mir liegt das Musikalische in der Familie. Mein Vater ist Gitarrist und ich habe früh mit Schlagzeug angefangen, aber irgendwann hat sich das durch Zufall entwickelt, dass ich zur Gitarre gewechselt habe“, denkt Rouven an seine Kindheit zurück.

Lukas dreht sich auf seinem Stuhl in meine Richtung und sagt: „Ich habe eine Oasis-DVD geguckt und zu meiner Mama gesagt `Das will ich auch´. Da hat es Klick gemacht.“

Liam hat schon immer auf irgendwelchen Sachen herumgetrommelt und früher für einige Zeit Unterricht gehabt. Angesteckt wurde er damals von seinem Vater, der selbst gerne Musik macht.

Auf den Geschmack gekommen
Alle vier kommen ursprünglich aus Niebüll in Nordfriesland und kennen sich durch die Schule oder freizeitliches Skaten. In der dortigen Musikszene kennt jeder jeden und am Ende blieben sich Finn-Bo, Rouven, Lukas und Liam treu und sind gemeinsam nach Hamburg gezogen. Musik wollten sie auch hier weiterhin zusammen machen („Wir haben gemerkt, dass es uns Spaß macht und die Leute Spaß haben, wenn sie unsere Musik hören.“) und beschlossen in der Zeit zwischen 2011 bis 2012 eine Band zu gründen: Roast Apple. Rouven meint: „Sobald man eine Band hat, wird es ernst und dann fängt man an, das Instrument auch richtig zu spielen. Das ist eine Motivationssache.“ Der lecker klingende Bandname wurde damals während einer gemeinsamen Runde gefunden. „Wir hatten ein Getränk bei uns, das nach Bratapfel schmeckte. So haben wir gesagt `Für heute nennen wir uns Roast Apple´ und das ist bis heute so geblieben und soll auch bleiben“, erinnert sich Finn-Bo grinsend.


(von links nach rechts: Liam, Lukas, Rouven und Finn-Bo)

Mit der gemeinsam verbrachten Zeit sind sie auf den Geschmack gekommen – sie machen ihren eigenen unverkennbaren Indie/Britpop. Hohe Gitarren und schneller Rhythmus machen ihre Musik tanzbar und versprühen somit gute Laune. Hierbei können sich viele junge Menschen, aber auch die etwas ältere Generation mit den von Finn-Bo geschriebenen Songtexten identifizieren. „Es dreht sich um das Leben junger Leute. Diese Ups and Downs, die es gibt. Die Songs spiegeln das wieder, was wir so erleben, fühlen, denken und machen.“

Bratäpfel für jedermann
Ihre Zeit als „Bratäpfel“ begann ganz klein. Ihren ersten Auftritt hatten sie 2011 auf einer LKW-Bühne. Für die vier war es interessant und „hat Lust auf mehr gemacht“, findet Lukas. Trotzdem war danach für knapp ein Jahr Stille. Stille nach außen hin, aber bandintern haben sie an ihren Songs gefeilt und neue geschrieben. Rouven erklärt: „Wenn es zu schnell nach oben geht und man diese ersten Schritte nicht gemacht hat, dann ist kein richtiges Fundament vorhanden und dann bricht das schnell zusammen.“ Dann kam ein Konzert nach dem anderen, aber ihr EP-Release-Konzert im vergangenen Februar werden sie nicht so schnell vergessen. „Es war bisschen holprig, aber aufregend. Es fühlte sich bisschen wie ein erstes Konzert an, weil wir paar Monate nicht aufgetreten sind“, erinnert sich Finn-Bo. Und dann fällt ihnen ihr wohl verrücktestes Erlebnis ein: „Wir sind abends in Nordfriesland losgefahren, um morgens um 8 Uhr in Dortmund für eine WDR-Aufzeichnung zu sein. Wir haben die Nacht nicht geschlafen und haben dann den Soundcheck und die Aufzeichnung machen müssen. Abends sind wir dann nach Kiel gefahren, um dort um halb 11 auf der Jungen Bühne zu spielen. Es war ein anstrengender, aber geiler Tag.“

Egal, ob sie in einer kleinen Kneipe auf Amrum oder auf einer riesigen Bühne in Mailand spielen, sie „haben immer Bock“! Aber selbst dann kann auf der Bühne auch mal was schief laufen. Ein verlegenes Lachen geht durch die Runde und alle denken an den gleichen Auftritt. An den Auftritt, bei dem ein Coversong daneben ging. Finn-Bo schildert: „Wir hatten vergessen, wie lange wir spielen mussten und wir hatten gar nicht so viel Programm. Also haben wir gesagt, wir covern jetzt noch diesen einen Song und das ist völlig in die Hose gegangen. Ich konnte den Text nicht und das Tempo war falsch. Wir waren in zwei verschiedenen Galaxien tonmäßig. Das war damals echt peinlich.“ Dafür ist es umso lustiger, „wenn sich nicht mehr ganz so junge Frauen an Liam ranmachen“ – Bratäpfel für jedermann (und -frau).

Zu jeder Zeit an jedem Ort
Neben ihrem aktuellen Musikvideo „Encore“ haben Roast Apple vor kurzem ihre neue EP (Young Hearts) veröffentlicht. Inzwischen haben sie zwei EPs produziert und können den jeweiligen Prozess gut mit dem anderen vergleichen. „Für die erste EP hatten wir nur vier Tage in einem kleinen Studio ohne Klimaanlage. Wir haben uns totgeschwitzt“, berichten sie mir. Für die zweite EP sind sie nach Ostfriesland gefahren und haben für insgesamt zwölf Tage in einem größeren Studio „gelebt“ (schlafen, kochen, sauber machen, Musik machen). „Hier hatten wir viel mehr Möglichkeiten, Sachen auszuprobieren und haben auch Kritik für unsere Musik bekommen.“ Es war eine sehr lehrreiche Zeit und Rouven fügt hinzu: „Du bist in einem kreativen Loch – also im positiven Sinne – und dann kommst du plötzlich wieder ins normale Leben. Daran musst du dich dann erst wieder gewöhnen.“

Was genau ihnen die Zukunft bereithält, wissen die vier nicht, aber was sie wissen ist, dass sie viele neue Songs schreiben werden, viele Konzerte spielen wollen, viel von der Welt sehen möchten und sich persönlich wie musikalisch weiterentwickeln wollen. Ich denke, das wird für Finn-Bo („das Arbeitstier“), Rouven („der Motivator“), Lukas („der Umsetzer“) und Liam („der Redselige“) nicht schwer sein. Bald kommt ihr erneuter Auftritt auf der Jungen Bühne Kiel zur Kieler Woche 2017 und dafür erhoffen sie sich gutes Wetter und viel Publikum. Liam würde sagen: „Wir haben Bock!“ Mit Finn-Bo’s letzten Worten schließen wir das Interview ab: „Wir haben auf jeden Fall paar neue Songs dabei, die wir dort noch nie gespielt haben. Würde ich in Kiel wohnen, ich wäre da.“ Roast Apple sind zu jeder Zeit an jedem Ort – ob nun persönlich oder nur ihre Musik aus den Boxen.

Für eure Zukunft wünsche ich euch, dass ihr nie den Geschmack des Bratapfels verliert und euch immer danach ist, diesem treu zu bleiben. Bleibt wie ihr seid!



Countdown bis zum Anglasen:

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