Auf der Suche nach Freiheit
Im Interview mit Pieet

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Auf der Suche nach Freiheit

Die Sonne scheint warm auf uns herab, als Thies und ich es uns vor der Kieler Campus Suite gemütlich machen. Mit einem sympathischen Lachen beginnen wir unser Gespräch, welches sich viel mit Freiheit beschäftigt.

Pieet mit Doppel-E
Thies (22) kommt ursprünglich aus Kiel, aber nach 18 Lebensjahren zog es ihn nach Buenos Aires und nun seit zwei Jahren lebt er in der Großstadt Berlin („Für mich war klar, dass ich mit der Musik weiter vorrankommen möchte, andere Leute kennenlernen möchte und da war Berlin eine passende Anlaufstelle.“) Thies ist in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Kaum konnte er auf seinen eigenen Beinen stehen, schon sang er im Kirchenchor und lauschte der Acapella-Gruppe seines Vaters. Seinen ersten Song schrieb er im zarten Alter von sechs Jahren und mit 12 griff er zur Gitarre, denn er wollte auf keinen Fall das gleiche Instrument wie sein Vater lernen – Orgel. „Ich habe mir tatsächlich auch mal eine E-Gitarre gekauft. Ich habe, glaube ich, drei Mal darauf gespielt und sie dann wieder verkauft“, erzählt er lachend.

Thies Pietschmann ist bei seinen Fans als „Pieet“ bekannt. Er blickt lächelnd in die Ferne und erinnert sich, wie sein Künstlername zu Stande kam: „Ich habe in Argentinien in einer Schule gearbeitet und mit kleinen Kindern zusammen Musik gemacht. Um mich vorzustellen schrieb ich meinen Namen an die Tafel und im Spanischen ist es oft so, dass in der Regel jeder Buchstabe mitgelesen wird. Und dann wurde daraus Pi-e-tschmann. Und ich fand Pi-e-t eigentlich ganz schön. Dann dachte ich mir, ich nehme das mit nach Deutschland, mache ein Doppel-E, damit die Leute verstehen, dass es Pieet sein soll, aber das wurde von vielen nicht verstanden.“

Mit der Musik um die Welt
Pieet gibt mir zu verstehen, dass das Songwriting für ihn wie eine Selbsttherapie ist. Seine Songtexte handeln viel von seinen persönlichen Erfahrungen, seinen Emotionen und Einstellungen zum Leben. Er nimmt einen Schluck Tee und sagt: „Man zieht sich schon nackig aus auf der Bühne.“ Er ist ein ehrlicher Mensch und das hört man auch in seinen Songs. Am besten Schreiben kann er die Songs in seiner Heimatstadt Kiel. „Ich brauche immer, um Inspirationen zu verarbeiten, Abstand und den finde ich hier“, verrät er. Seine Gedanken in treffende Liedverse verfassen kann er überall, nur braucht er, wie er angibt, Papier, einen Stift und ein Aufnahmegerät, in das er „peinlich laut“ seine Melodie einsingt. So erinnert er sich: „Ich saß in Granada auf einem großen Platz und habe dort meine Ideen laut vor mich hingesungen und die Spanier haben sich alle umgedreht und sich gefragt, was ist mit dem los?“ Er hat zwar einen spanischen Song in seinem Repertoire, aber hauptsächlich singt er auf Deutsch. Aber warum nicht auf Englisch? Da sagt er ganz gewissenhaft: „Deutsch ist eine rhythmische, aber auch schöne literarische Sprache, die man nutzen kann oder nutzen sollte. Mir ist der Inhalt sehr wichtig und sollte von allen verstanden werden. Mein erster Song war auf Deutsch und mein letzter Song wird auch auf Deutsch sein.“

Seinen ersten Auftritt hatte er bei einem Songslam, bei dem er nur einen einzigen Song spielen durfte. „Songslams haben ein anderes Niveau an Nervosität, als andere Auftritte. Du hast nur einen Song, um das Publikum zu überzeugen und auf deine Seite zu bekommen und deshalb musst du von der ersten Sekunde an präsent sein“, erzählt er. Aber bevor er seinen Auftritt startet, zieht er sich gerne zurück und wird ganz ruhig. Und dann? „Dann gehe ich einfach raus und versuche meinen Spaß zu haben und den Spaß auf das Publikum zu übertragen“, erzählt er glücklich. In der letzten Zeit hat er das eine oder andere schöne Konzert erlebt und erinnert sich besonders gerne an seinen Auftritt in einem Krefelder Café: „Jeder war mir fremd und anfangs war das Café noch leer, aber kurz bevor es losging, füllte sich der Raum und dann hatten wir zusammen einen sehr schönen Abend.“ Dann möchte ich wissen, ob er von einem Fanerlebnis berichten kann. Kann er, aber auf eine andere Weise, als wir beide dachten: „In Berlin wurde ich schon oft angesprochen, aber leider nicht wegen meiner Musik, sondern weil ich angeblich Wilson Gonzalez Ochsenknecht ähnlich sehe und wurde gefragt, ob ich der sei.“ Dann lachen wir beide.

Der vor mir sitzende junge Mann ist schon viel in der Welt herumgekommen und hat von überall, wo er war, Inspiration mitgenommen (und in seinen Songs verarbeitet). Dabei mag er besonders die Freiheit, die er spürt, denn er ist „kein Mensch, der lange an einem Ort sein kann“. „Ich muss immer einen Flug gebucht haben, sonst werde ich bisschen nervös“, gibt er mit einem Grinsen zu. Vermisst er in der Zeit, in der er weg von Zuhause ist, etwas besonders? „Ich weiß noch gar nicht, ob ich mein Zuhause gefunden habe“, überlegt er, aber Berlin mit seinem ganz eigenen Lebensrhythmus fehlt ihm wohl immer ein bisschen, egal, wo er sich befindet.

Weiter bergauf
Zurzeit arbeitet Pieet an seiner ersten EP. Die sich darauf befindenden Songs sollen vor allem ganz anders klingen als live. Elektronische Elemente, ein Piano und ein Kontrabass sollen Teil der Songs werden – Dinge, die es auf der Bühne nicht zu hören gibt. Seine Haltung zu diesem Unterschied ist klar: „Ich finde, ein Konzert ist was Besonderes. Konzerte sind das, wofür man Musik macht und dann soll oder darf es auch anders klingen. Ich finde es wichtig, dass man selbst die Musik macht, die einem gefällt und man nicht immer darauf hört, was andere sagen.“ Er ist auf jeden Fall auf die Reaktionen gespannt und wie es im Endeffekt beim Publikum ankommt.

Was ihm die Zukunft bereithält, das weiß er noch nicht so genau. Er lebt im Hier und Jetzt und weiß, dass die Musik das ist, was er will und dass er mit und von ihr leben möchte. Immer weiter bergauf. Und sein Auftritt auf der Jungen Bühne Kiel zur Kieler Woche 2017 könnte ein Schritt weiter nach oben sein und auch eine Möglichkeit, mehr Leute zu erreichen. Pieet wird bei diesem Auftritt nicht nur von seiner Akustikgitarre begleitet. Vor kurzem haben sich ein Bassist und ein Schlagzeuger zu ihm gesellt. Diese beiden geben Pieet’s Songs mehr Energie und alle drei freuen sich auf ihren ersten gemeinsamen Auftritt. Zum Schluss sagt er: „Es ist ein schönes Gefühl als Kieler auf der Kieler Woche spielen zu dürfen. Es ist ein riesen Event in Kiel und ich freue mich auf alle, die nicht nur zu meinem Konzert kommen, sondern auf alle, die überhaupt zur Kieler Woche gehen, weil es eine tolle Sache für Kiel ist. Deswegen freue ich mich unwahrscheinlich euch alle auf der Kieler Woche zu sehen!“ Wer Pieet bei seinem Auftritt zusehen und zuhören möchte, der tue dies gerne am 17.06.2017 um 18 Uhr auf der Jungen Bühne Kiel.

Für deine Zukunft wünsche ich dir die Freiheit, überall dorthin reisen zu können, wo es dich hintreibt und dass du an jedem Ort Inspiration für dein Leben und neue Songs findest!

Das Interview wurde am 11.05.2017 in Kiel geführt.



Countdown bis zum Anglasen:

Kieler Woche 2017 vom 17. juni – 25. juni 2017
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