Herr Nüchternd statt ernüchternd
Im Interview mit Herr Nüchternd

Herr Nüchternd statt ernüchternd.

Mit gemächlichen Schrittes betreten wir am 10.04.2017 den Proberaum des Jugendtreffs in Pries. Jeder schnappt sich einen Stuhl, der Teil eines kleinen Stuhlkreises wird. Leadgitarrist Malte konnte heute leider nicht dabei sein.


Die nüchternen Herren
Zu dieser „nüchternen“ Herrenrunde gehören Sänger und Gitarrist Nico (25), Leadgitarrist und Mundharmonikaspieler Malte (26), Bassist Patrick (25) und Schlagzeuger Jan (24). Zusammen erheitern sie ihr Publikum mit gut durchdachten Songtexten über das eigene Leben.

Nico rückt auf seinem Stuhl zurecht und beginnt: „Angefangen habe ich mit Klavier, als ich noch ganz jung war. Ich hörte aber auch schnell wieder damit auf. Einige Jahre nach meiner ersten Punkband, in der ich nicht gesungen habe, habe ich gemerkt, dass mir singen viel Spaß macht und habe auch zuhause für mich gesungen. Ich wollte wieder ein Instrument spielen und habe mir die Gitarre als Begleitung ausgesucht.“

„Ich habe mit 13 angefangen Bass zu spielen. Freunde von mir sagten, sie hätten eine coole Band und bräuchten noch unbedingt einen Bassisten. Ich ging also immer zur Bandprobe, aber es war fast nie jemand da. Ich habe mich dann ganz alleine mit diesem Instrument, was in der Proberaumecke stand, hingesetzt und einfach so vor mich hin geklimpert“, erinnert sich Patrick.

Da Malte nicht da ist, versucht Nico mir zu erzählen, wie er zur Gitarre und zur Mundharmonika gekommen ist. Dazu muss man wissen, dass Malte glaubt, er wäre im falschen Jahrzehnt geboren. Alle seine Gitarrenhelden (z.B. B. B. King) lebten zwischen den 30er und 60er-Jahren. Durch sie wurde er zur Gitarre angeregt und mit der Zeit kam die Mundharmonika hinzu.

Jan dreht sich auf seinem Stuhl hin und her und sagt: „Schlagzeug wollte ich, seit ich fünf Jahre alt bin, spielen. Ich habe auf einem Dorffest eine Band gesehen und dachte mir `Oh cool, Schlagzeug´ und dieses Gefühl hat sich dann verstärkt, weil mein Opa früher auch Schlagzeuger war. Richtig angefangen habe ich dann aber erst mit zehn.“

Schlechte Wortwitze
Nico und Malte haben zusammen ihre Erzieherausbildung gemacht. Danach wollte Nico weiterhin etwas mit Malte machen und so entstand das Fundament der Band. Schnell stellten sie fest, sie brauchen mehr Musiker und fragten Patrick (spielte mit Nico in dessen zweiten Band) und den ehemaligen Schlagzeuger Lasse, der vor kurzem aus beruflichen Gründen umziehen und die Band verlassen musste. Nico kannte Jan noch aus seiner ersten Band. „Ich spiele eigentlich im Hardcore- und Metalcore-Bereich und musste erst mal überlegen, weil die Musik von Herr Nüchternd eine ganz andere ist. Aber ich dachte, wenn man was anderes spielt und andere Einflüsse ganz anders auslebt und sich dadurch auch neue Sachen aneignet, ist das sicher cool“, erklärt Jan. Seit 2015 sind sie als Herr Nüchternd unterwegs. Nico ist Fan von schlechten Wortwitzen und obwohl bereits ein erster Bandname stand (Kumpels von mir), fiel Nico ihr heutiger Bandname ein. „Kumpels von mir“ konnte sich am Ende nicht durchsetzen, da Nico das Gefühl hatte, dieser klinge mehr nach Punk als nach Pop.



Der Musikstil von Herr Nüchternd ist schnell umschrieben: „Deutschsprachige Texte treffen auf eingängige Popmusik“. Bisher verfasst Nico die Songtexte alleine. Zuerst auf Englisch (z.B. „Me and my Shoes“) und heute auf Deutsch (z.B. „Sag bloß wir zwei“, „Berlin“), denn „die Leute sagen mir oft, Deutsch steht mir besser und ich solle mehr auf Deutsch machen“, erklärt Nico. Zudem fällt es ihm in dieser Sprache einfacher, (schlechte) Wortwitze einzubauen. Als Sänger schreibt er die Worte nieder und wir Zuhörer können sie aus jeweils einem anderen Blickwinkel betrachten, denn Nico singt hauptsächlich über sein Privatleben und jeder von uns hat sicher schon ähnliche Situationen erlebt.

Schnell voran
Ihren ersten Auftritt hatten sie kurz nach ihrer Gründung in einer kleinen Disco. Damals saß Lasse noch am Cajón. „Die Songs haben sich dann erst mit den Auftritten weiterentwickelt“, erinnert sich Nico schmunzelnd. Alle waren aufgeregt und das ist auch heute noch so. Vor nicht allzu langer Zeit hatten sie ihren ersten Auftritt mit Jan zusammen. Der lacht und sagt: „Nico hat dem Publikum verraten, dass ich neu in der Band bin. Deswegen wurde ich noch mehr beobachtet. Ich wäre fast geschmolzen hinter meinem Schlagzeug, denn ich hatte seit acht Jahren kein Konzert mehr gespielt und war sehr aufgeregt.“

Ihren schönsten Auftritt hatten sie beim „Ehrensache Festival“ in Süsel letztes Jahr. „Wir haben um Mitternacht gespielt. Es waren nicht mehr viele Leute da, aber diese paar Leute hatten so viel Spaß vor der Bühne“, erinnern sich Nico und Patrick. „Wir wurden direkt nach dem Auftritt gefragt, ob wir nächsten Jahr wieder kommen. Wir freuen uns schon drauf!“ Kein Wunder, dass sie gefragt wurden, denn Nico mit seiner warmen und authentischen Stimme, Malte mit seinem unvergleichbaren Stil (Schiebermütze und auffällige Brille), Patrick mit seinen melodischen Bassläufen und das passende Schlagzeug im Hintergrund regen ihre Zuhörer zum Mitwippen und Tanzen an und machen gute Laune! Aber auch Patzer auf der Bühne machen sympathisch. Nico lacht verlegen und gibt zu: „Ich verspiele mich ständig. Das ist ja schon wieder peinlich. Und ich erzähle gerne schlechte Witze. Ich habe einen sehr einfachgestrickten Humor und den finden nicht alle witzig und manchmal ist Stille danach.“



Herr Nüchternd – das klingt ernüchternd, aber das sind sie keineswegs! Nico wurde bereits bei einem Festival von zwei Mädchen angesprochen und gefragt, wann Herr Nüchternd wieder einen Auftritt haben. Sie selbst sind aber auch Fans. So erzählt Patrick begeistert von seinem Erlebnis mit den Wise Guys: „Ich habe die Band zusammen mit meinem besten Freund auf der Kieler Woche gesehen. Da hat mein bester Freund seinen Strohhut zu Nils auf die Bühne geworfen. Einige Konzerte später waren wir wieder auf einem ihrer Konzerte und trafen sie im Foyer. Wir haben Nils angesprochen und er wusste noch genau, wer wir sind und sagte, er habe den Hut immer noch.“

Keine Spur von Ernüchterung
Gerade sind sie dabei ihre erste EP fertigzustellen. Diese haben sie zusammen mit Jören (Schlagzeuger bei Gordon Shumway, Bassist bei Elvis Dies Tomorrow) aufgenommen und finden: „Er hat das richtig gut gemacht!“ Diese lange Zeit war sehr lehrreich und hat ihnen gezeigt: „Dass man noch sehr viel mehr üben muss.“ Diese lange Zeit hat sie aber auch enger zusammengeschweißt. „Ich bin ein bisschen cholerisch manchmal. Dann fange ich an, etwas impulsiv zu reagieren oder zu meckern und Malte kann das mit sehr viel Humor abfangen und ins Positive drehen. Das schätze ich an ihm“, meint Nico. „Und ich mag an Malte seine Art, wie er `Ich nehme jetzt mal diese Mundharmonika´ sagt“, grinst Patrick. Und seitdem Jan Teil der Band ist, kommt frischer Wind rein. Zusammen wollen sie mit ihrer bald erscheinenden EP mehr Zuhörer erreichen und mehr auf sich aufmerksam machen.

Zum Schluss reden wir noch über ihren kommenden Auftritt auf der Jungen Bühne Kiel zur Kieler Woche 2017. „Egal, ob die Sonne scheint oder ob es regnet, wir werden Spaß haben“, meint Patrick glücklich. Da fällt Nico witzelnd ein: „Das wird ein schöner Abschied. Weil nächstes Jahr gehören wir zu den Musiker-Opas. Dieser Auftritt wird ein großer Schritt Richtung Rente.“ Um auf der Jungen Bühne spielen zu dürfen, darf die Band das Durchschnittsalter von 27 nicht überschreiten. „Und falls ich mich jetzt verrechnet haben sollte, nennen wir uns einfach die Scorpions der Jungen Bühne und werden so viele Abschieds-Konzerte spielen, dass die Leute sich nicht mehr retten können“, fügt er noch schnell hinzu. Da meint Patrick: „Ein letztes Mal die Bühne richtig ab-popular-musiken“ und Nico verbessert ihn mit: „Wir werden diese Bühne so was von auseinander poppen.“

Egal, wie alt diese Jungs einmal sein werden, bei Herr Nüchternd wird keine Spur von Ernüchterung zu finden sein! Für eure Zukunft wünsche ich euch zusammen nüchterne Stunden und dass ihr euch nie unterkriegen lasst!



Countdown bis zum Anglasen:

Kieler Woche 2017 vom 17. juni – 25. juni 2017
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